Rechenzentren stehen auf der Liste. Neben Ölanlagen und Unterseekabeln nannte Mohsen Rezaei, Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats Irans, Rechenzentren und Einrichtungen für künstliche Intelligenz als Ziele, verteilt auf bis zu sieben Golfstaaten, für den Fall eines erneuten amerikanisch-israelischen Angriffs, wie der Guardian berichtete.
Das ist ein breiteres Zielspektrum als die Energieanlagen, die in Drohungen dieser Art üblicherweise genannt werden. Es ist zugleich eine erklärte Absicht und nicht mehr: Ein solcher Angriff hat nicht stattgefunden, und die Bedingungen, die Rezaei daran knüpfte, sind nicht eingetreten.
Wichtige Zahlen
- $113,40 der am Mittwoch gemeldete Preis für Rohöl der Sorte Brent je Barrel, als jüngster Höchststand bezeichnet
- Sieben die Zahl der Golfstaaten, die als mögliche Ziele genannt wurden
- Vier Handelsschiffe, die die IRGC nach eigenen Angaben am Mittwoch in der Straße von Hormus getroffen hat; drei weitere sollen auf Minen gelaufen sein
- Drei Flugzeugträger, die Trump bis November im Nahen Osten stationiert haben will
In der Meerenge ist die Bedrohung bereits real
Der Marinezweig der Iranischen Revolutionsgarden erklärte laut Guardian, er habe am Mittwoch vier Handelsschiffe gleichzeitig getroffen, als sie die Straße von Hormus passierten. Die Schiffe sollen dabei Öl von einem Schiff auf ein anderes umgeladen haben. Die IRGC gab zudem an, dass drei weitere Schiffe dort auf Minen gelaufen seien.
Diese Gesamtzahl sei nicht unabhängig überprüft worden, schrieb der Guardian. In den mir vorliegenden Berichten habe ich keine zweite Darstellung gesehen, die bestätigt, wie viele Schiffe getroffen wurden oder was mit ihren Besatzungen geschah.
Irans Blockade der Meerenge besteht bereits. Vermittler aus Iran und Pakistan haben diese Woche erneut Optionen für eine Waffenruhe erörtert, darunter die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte in Milliardenhöhe im Gegenzug für die Aufhebung der Blockade, der Zugang von UN-Inspektoren zu bombardierten Atomanlagen und der Abtransport des Bestands an hochangereichertem Uran. Teheran hat erklärt, es werde die Blockade innerhalb einer Woche aufheben und Atomgespräche aufnehmen, jedoch erst, wenn seine eigenen Bedingungen erfüllt sind, beginnend mit der Aufhebung der US-Sanktionen.
Einfach gesagt: Die Straße von Hormus ist der schmale Seeausgang aus dem Golf, und ein großer Teil des Rohöls der Region verlässt ihn auf Tankern durch diese Meerenge. Werden dort Schiffe angegriffen, stufen Reeder und Versicherer die Route als gefährlicher ein, und weniger Eigner sind bereit, Schiffe zu den bisherigen Kosten hindurchzuschicken. Deshalb schlägt sich eine Bedrohung der Meerenge im Rohölpreis nieder, bevor auch nur ein einziges Barrel Förderung verloren geht.
Beide Seiten sprechen vom selben Zeitfenster Anfang November
Mehdi Mohammadi, ein Berater von Mohammad Ghalibaf, sagte laut Guardian, Trump und Netanjahu hätten sich grundsätzlich auf einen Angriff geeinigt, ohne das Ergebnis garantieren zu können. Mohammadi bezeichnete einen dritten Krieg in zwei Jahren als Bedrohung für die Existenz Irans und fasste die Antwort als Strategie der „null roten Linien“ zusammen; jeder Konflikt würde länger dauern und sich über ein größeres Gebiet erstrecken, als die Gegenseite erwarte.
Auf der anderen Seite haben US-Medien laut Guardian berichtet, dass Militärberater eine Zielliste für einen gemeinsamen Angriff nach den Zwischenwahlen am 3. November zusammengestellt haben. Der amerikanische Aufmarsch, der nach Trumps Willen drei Flugzeugträger, Tausende Marineinfanteristen, Kampfjets und Spezialeinheiten umfassen soll, soll bis Anfang November abgeschlossen sein. Netanjahu erörterte am Montag in Israel mit US-Verteidigungsminister Pete Hegseth den Zeitpunkt und die Ziele eines gemeinsamen Angriffs.
Der Guardian weist zudem darauf hin, dass Trump in den vergangenen vier Monaten siebenmal von einem Angriff auf Iran abgesehen hat. Dutzende israelische Flugzeuge flogen diese Woche nahe der iranischen Grenze, berichtete die Nachrichtenseite Axios, und ein Großbrand in einer Aluminiumfabrik in Arak im Zentrum Irans deutet auf mögliche Sabotage im Land hin.
Worauf zu achten ist
- Freitag Außenminister aus drei europäischen Ländern, der Türkei, Saudi-Arabien, Pakistan und Ägypten treffen sich in Istanbul zu den miteinander verknüpften Krisen in Iran, im Jemen und in Palästina
- 3. November die US-Zwischenwahlen, nach denen laut US-Medien eine gemeinsame Zielliste umgesetzt würde
- Anfang November der genannte Termin für den Abschluss des US-Militäraufmarschs im Nahen Osten
